Wissenschaftliche Erkenntnisse

Tiere, besonders Hunde, haben nachweislich positive Wirkungen auf den Menschen, sei es im Rahmen tiergestützter Interventionen oder einfacher Mensch-Tier-Interaktionen. Zu den durch Studien bestätigten Effekten zählen die Reduktion von Angst, Stress und Aggression, die Förderung sozialer Interaktionen und Vertrauen sowie die Verbesserung von Stimmung, Aufmerksamkeit und Konzentration.

Positive Effekte von Hunden in Therapie und Pädagogik

Nach den ersten Veröffentlichungen des Psychotherapeuten Levinson zu den positiven Effekten von Tieren in der Arbeit mit Kindern (1964,1969, 1972), begannen sich vermehrt Wissenschaftler/innen mit der Thematik zu beschäftigen. Heute existieren zahlreiche aussagekräftige Studien zur Mensch-Tier-Interaktion, von denen hier nur ein kleiner Teil angesprochen wird. 

 

Kontakt mit Tieren mildert Angst und Stress

Der Kontakt mit Tieren kann Angst reduzieren und Ruhe fördern, v.a. vor und in stress- und angstauslösenden Situationen. Speziell Hunde, insbesondere vertraute Tiere, können Stressreaktion deutlich mildern. 

Andrea Beetz bestätigte 2012 durch eine Studie, dass Kinder, die eine stressinduzierende Aufgabe in einem schulähnlichen Setting durchlaufen mussten, eine geringer ausgeprägte Stressreaktion in Anwesenheit eines Hundes hatten, als in Anwesenheit eines Stoffhundes oder einer freundlichen Person. Je ausgiebiger der Hund gestreichelt wurde, desto geringer war ihre physiologische Stressreaktion.

 

Gesteigerte Konzentration durch Anwesenheit eines Hundes

Auch eine Studie von Hedinger (2013) weist auf eine konzentrations- und aufmerksamkeitssteigernde Wirkung von Hunden hin.

Kinder sollten bei Anwesenheit eines Hundes und einmal bei Anwesenheit eines Roboterhundes (Aibo, Sony) jeweils eine Gedächtnisaufgabe lösen und drei neuropsychologische Aufmerksamkeitstests absolvieren. Zuvor durften die Kinder mit den Hunden interagieren. Während der Aufgabe wurde zudem die Aktivität des Frontalhirns als physiologischer Indikator für Aufmerksamkeit und Konzentration gemessen.

In Anwesenheit des echten Hundes zeigten die Kinder signifikant bessere Leistungen in den Aufmerksamkeits- und Konzentrationstests. Zudem blieb die Frontalhirnaktivität in Anwesenheit des echten Hundes relativ konstant im Vergleich zum Kontakt mit dem Roboterhund, bei dem die Frontalhirnaktivität gegen Ende der Aufgaben abnahm, Konzentration und Aufmerksamkeit also nachließen. 

 

Tiere motivieren und hellen die Stimmung auf

Als ein wesentlicher Wirkmechanismus tiergestützter Interventionen wird häufig die Motivationssteigerung genannt. Das Motivationsgeschehen wird zu einem Großteil durch unser Unterbewusstsein gesteuert. Unbewusste Presse sind für unsere Emotionen verantwortlich und beeinflussen so unsere Motivation. Motivationsbarrieren beschränken sich keinesfalls auf fehlende Ziele oder mangelnden Umsetzungswillen. Oft sind es handfeste Ängste, ein schlechtes Gefühl oder Unlust, die uns zu schaffen machen.

Aufbauend auf der Motivationstheorie kann man annehmen, dass Tiere eher auf die impliziten Motive einwirken (wo fühle ich mich wohl? Wo erlebe ich bestimmte Gefühle)Diese Verbindung in der tiergestützten Therapie ermöglicht es, Emotionalität und Logik zu verknüpfen und damit funktionales Üben und emotionales Erfahren zu einer Einheit werden zu lassen. 

Unsere Motivation beruht auf zwei unterschiedlich Motiven, den impliziten und den expliziten Motive. 

 

Ein weiterer motivatonaler Wirkmechanismus ist denkbar: Aus Sicht der Kinder ist die Interaktion mit einem freundlichen Therapiebegleithund unbedrohlich und belastungsfrei. Sie wird meist von unbedingter Akzeptanz, konstanter und kontinuierlicher Zuneigung und "unkritischer" Bewunderung geprägt erlebt. 

 

Studien zeigen, dass Hunde über eine erhöhte Motivation zum Beispiel zu besseren Lernleistungen anregen, körperliche Bewegung fördern und eine gute Stimmung bewirken.

 


Schul- und leistungsbezogene Effekte von Hunden

Physiologische und psychologische Stressreduktion

  • Aktivierung des Oxytocin-Systems
  • Reduktion von psychischem und physischem Stress
  • Reduktion von Angst
  • Verbesserung der Emotionsregulation
  • Herstellung eines entspannt-ruhigen, aber dennoch aktiven Zustands

Förderung positiver sozialer Interaktionen und Beziehungen

  • Förderung einer positiven Aufmerksamkeit und Wahrnehmung einer Person bei Anwesenheit eines Hundes
  • Förderung von Vertrauen
  • bedingungslose Akzeptanz durch den Hund
  • Reduktion von Aggressivität
  • verbesserte Integration in den Klassenverband/die Lerngruppe

Förderung einer positiven Lernatmosphäre

  • Förderung der Motivation und Lernfreude
  • Schaffung positiver lernbegleitender Emotionen
  • gesteigerte Konzentration
  • exaktere Aufgabenausführung

Oxytocin in der Mensch-Hund-Interaktion

Betrachtet man die Effekte von Mensch-Tier-Interaktionen und die Wirkungen des Hormons Oxytocin, so fällt eine große Schnittmenge auf. 

 

Wissenschaftlich gesicherte Effekte von Oxytocin:

  • reduziert Stressreaktionen, v.a. im Hinblick auf soziale Tresoren; es reduziert die Spiegel des Stresshormons Kortison, senkst Blutdruck und Herzfrequenz
  • erhöht die Funktion es parasympathischen Nervensystems und des endokrinen Systems, welches mit Erholung, Heilung und Wachstum in Zusammenhang steht
  • vermindert Angst
  • stimuliert soziale Interaktionen und Vertrauen
  • vermindert Aggressivität und verbessert soziale Kompetenz
  • fördert eine positive Selbstwahrnehmung
  • unterstützt Lernen

Die Aktivierung des Oxytocin-Systems und die daran geknüpften positiven Effekt beeinflussen beim Lesen mit Hund zum einen Faktoren im Kind oder Jugendlichen selbst, wie Reduktion von Angst und Stress. Zum anderen fördert die Aktivierung des Oxytocin-Systems potenziell die sozialen, unterpersonalen Aspekte wie das vertrauen zum Erwachsenen und den Peers in der Gruppenförderung sowieso die Kommunikation über das Gelesene.